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Diskussionsveranstaltung zur Sucht im Alter in Heinsberg

Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen Hückelhoven, mit Margret Boeck, Karl-Heinz Feldhoff und Dietrich Knorr (v. l.).

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2014

Eine oft unterschätzte Problematik

Fachleute erörterten am Beispiel des Kreises Heinsberg die wachsende Dimension von Sucht im Alter

„Sucht im Alter“ wurde bisher in der Gesellschaft und Medizin unterbewertet. Dass es sich dabei jedoch um alles andere als ein Randthema handelt, sondern stetig an Bedeutung gewinnt, war das Fazit des 8. Hückelhovener Suchtforums.

Eingeladen zu der Veranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum Hückelhoven hatte die Beratungsstelle für Suchtfragen in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich. „Ich hoffe, dass es gelungen ist, das fachübergreifende Thema Sucht im Alter aus der Tabuzone zu holen und eine Sensibilisierung zu erreichen“, sagte Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, am Ende der Tagung.

Denn zuvor hatten sie und Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Heinsberg, deutlich gemacht, dass Süchte sehr verbreitet sind und immer mehr ältere Menschen zum Beispiel Alkohol und Medikamente missbrauchen, was zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Bis zum Jahr 2020 wird die Anzahl älterer Menschen mit Drogenproblem ansteigen. 17,8 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer in Deutschland über 65 Jahre wird ein Risikoalkoholkonsum, ein täglicher Alkoholkonsum von mehr als 20 Gramm bei Männern (entspricht 0,5 Liter Bier) und 10 Gramm bei Frauen, zugeschrieben. Daneben gibt es 1,4 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängige, wovon Frauen besonders betroffen sind. Bisher erhalten diese nur wenige fachliche Hilfe. Im Kreis Heinsberg gibt es 64761 Einwohner über 60 Jahre. Schätzungsweise liegt der Anteil der Menschen, die Suchtmittelmissbrauch betreiben, bei drei Prozent.

 

Familien und Ärzte stärker sensibilisieren

Dies entspricht 1942 Einwohnern. Von diesen 1942 über 60-Jährigen wurden nur 42 Menschen in allen Suchtberatungsstellen im Kreis Heinsberg beraten. „Wie kann man dem begegnen? Welche Herausforderungen ergeben sich für die Altenhilfe und für den Kreis Heinsberg?“ Diese Fragen müsse man sich deshalb stellen, stellte Marlies Trapp fest. Sie überließ das Wort Karl-Heinz Feldhoff, der verdeutlichte, dass der Kreis Heinsberg bereits die Problematik „Sucht im Alter“ anpacke. So wurden Arbeitsgruppen und -kreise zu den Themen „Älterwerden“ und „Sucht“ gebildet sowie Handlungsempfehlungen zum Älterwerden formuliert. Neu darin enthalten sind die Ziele, in den Familien eine Sensibilität im Hinblick auf Medikamenten- und Alkoholkonsum herzustellen, einen Medikationspass kreisweit anzuwenden und spezifische Weiterbildungsmaßnahmen für einschlägige Berufsgruppen und Ärzte anzubieten. Zudem sollen bereits vorhandene Angebote miteinander vernetzt werden.

 

Auch in der Altenpflege herrscht Handlungsbedarf

Konkret sprach er davon, bei den Suchtberatungsstellen des Kreises einen Mitarbeitenden zu benennen, der sich speziell mit der Thematik auseinandersetzt. Generell müsse dem Thema noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dies bestätigte Andreas Kutschke, Pflegewissenschaftler, Krankenpfleger und Autor. Abhängigkeit und Missbrauch von Alkohol und Benzodiazepinen, Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmittel mit Suchtpotenzial, spielten in der Altenhilfe eine untergeordnete Rolle und würden oft gar nicht erst erkannt. Dem müsse die Altenpflege begegnen: zum Beispiel Fachkräfte schulen, die Notwendigkeit der Einnahme von Medikamenten hinterfragen und der Sucht mit Zuwendung und sinnstiftenden Angeboten entgegenwirken.

 

Info

Informationen rund um das Thema „Sucht im Alter“ gibt es auf dem neuen Internetportal www.alter-sucht-pflege.de. Die Vorträge zur Veranstaltung sind in Kürze unter dem Link www.caritas-heinsberg.de/gefaehrdete-behinderte-menschen zu finden.

Buchtipp: Kutschke, Andreas: Sucht – Alter – Pflege. Praxishandbuch für die Pflege suchtkranker alter Menschen. Verlag Hans Huber, Bern 2012.


Von Eva Weingätner

Veröffentlicht am 27.11.2014

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