Altenarbeit
http://altenarbeit.kibac.de/nachrichten?mode=detail&action=details&siteid=1031712&type=news&nodeid=20c7fcad-62fd-4f34-bb97-334d6761eb9c
 
 
Frühjahrstagung des Katholischen Altenwerks in Aachen

Pfarrer Wilhelm Bruners im Gespräch mit den Teilnehmern.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 19/2015

Loslassen: die große Aufgabe im Alter

Frühjahrstagung des Altenwerks fragte nach dem Glauben im Alter

Werden wir mit Glaube und Spiritualität besser alt? Antworten auf diese Frage suchte das Katholische Altenwerk im Bistum Aachen auf seiner Frühjahrstagung unter dem Titel „Sara und Abraham oder die Bewegung des Glaubens mit zunehmendem Alter“ am 27. April im August-Pieper-Haus in Aachen.

Heinz-Peter Benetreu, Vorsitzender des Altenwerks, begrüßte rund hundert Teilnehmer. Darunter auch den ehemaligen Geschäftsführer Conrad Siegers, der in den Ruhestand getreten ist, und jetzt Gast der von ihm mit vorbereiteten Veranstaltung war. Als neue Geschäftsführerin des Altenwerks wurde Annette Lenders vorgestellt. Wilhelm Bruners, Priester, Seelsorger, Dozent und Autor, inspirierte die Teilnehmer mit Impulsen aus der Bibel, die später in Arbeitsgruppen vertieft wurden. Er begann mit Sara und Abraham, die als „alte, reife Menschen“ von Gott aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerufen wurden, um ins gelobte Land Kanaan zu ziehen.

Bruners deutete dieses „Projekt der Veränderung“ auch mit Blick auf seine spirituelle Dimension. „Ich muss meinen Standpunkt verlassen, um das Weite, den größeren Horizont zu gewinnen.“ Loslassen sei die große Aufgabe des Älterwerdens. Das gelte auch im Dialog mit anderen Menschen, „soll es wirklich zu einem tieferen Verstehen kommen“. Ein starrer Glaube könne das größte Hindernis sein, wenn es an Bereitschaft fehle, „auch geistige und geistliche Plätze“ zu verlassen. Auch die Kirche insgesamt müsse die Sprache der heutigen Zeit sprechen, um mit der Welt von heute zu kommunizieren. Im Alter bestehe die Möglichkeit, jedes „entweder so oder so“ aufzugeben und andere Menschen, Religionen, Konfessionen und Völker mit einem „zulassenden, gelassenen Blick“ zu sehen. „Können wir uns eine Welt vorstellen“, fragte Bruners seine interessiert lauschende Zuhörerschaft, „in der jeder seine Tradition, aber ohne Herabsehen auf die anderen, lebt, betet, zweifelt, glaubt und wir einander nicht bekehren müssen?“ Einfach „das Beste aneinander herauslieben“ empfahl der Seelsorger mit Worten des Religionspädagogen Hubertus Halbfass.

In der Bibel geschähen Veränderungen meist in Gemeinschaft mit anderen. Die Bibel wisse darum, dass wir einander brauchen, „auch und gerade dann, wenn wir neue Wege gehen, gehen müssen oder wollen“. Das gelte zum Beispiel auch beim Tod eines nahestehenden Menschen. Solche Krisen sind Chancen zur inneren Reifung, die uns Gott näherbringen. Das wurde beim Gespräch in der Arbeitsgruppe um Diakon Bernhard Habermeyer, geistlicher Beirat des Altenwerks, deutlich.


Das Alter ist die Chance, seiner wahren Identität näher zu kommen

„Was wird gewährt, wenn der Mensch im Alter noch aufbricht?“, fragte Bruners und antwortete: „Wir lernen uns auf diesem Weg selbst kennen.“ Mit zunehmendem Alter wachse man „in diese von Gott geschenkte Würde und Identität tiefer hinein“. Dafür sei es notwendig, „künstliche Identitäten aufzugeben oder zumindest nicht überzubewerten“. Der ältere Mensch habe mit seiner Lebenserfahrung die Chance, seiner wahren Identität näher zu kommen. Eine Arbeitsgruppe um Marco Sorace, Dozent an der Bischöflichen Akademie, beschäftigte sich in diesem Zusammenhang mit spirituellen Traditionen des Christentums. Als Beispiele wurden Johannes Tauler und Meister Eckart genannt, die davon überzeugt waren, durch tiefe Selbsterkenntnis Gott auf dem Grund der menschlichen Seele zu begegnen.

Im Alter sei auch die Zeit, um Versöhnungsarbeit zu leisten und „uns selbst und unsere Dinge in Ordnung zu bringen“, empfahl Wilhelm Bruners. Ein Thema, das Margret Rutte, stellvertretende Vorsitzende des Altenwerks, in ihrer Arbeitsgruppe vertiefte. Bruners beendete seinen Vortrag hoffnungsvoll. Menschen können im Alter „eine tiefe, manchmal neu-alte Identität – eine priesterliche, prophetische, eine königliche Würde“ entdecken. Diese Botschaft wurde in den Arbeitsgruppen der Pfarrer Peter Müllenborn und Bobby van den Berg aufgegriffen. Angesichts des Priestermangels und größerer, undurchschaubarer werdender kirchlicher Strukturen sei jeder einzelne aufgerufen, seine priesterliche und prophetische Würde einzubringen und seinen Glauben sichtbar zu machen. Gebetskreise gründen, Gottesdienste feiern, Kirchen offen halten. „Warten Sie nicht, bis der Pfarrer etwas verbietet oder erlaubt, fangen Sie mit ein paar Leuten einfach an“, ermunterte Müllenborn. „Probieren Sie einfach etwas aus“, ergänzte van den Berg. Wilhelm Bruners gab seinem Vortrag mit Gedichten eine herzberührende Tiefe. In seinem neuen Buch „Niemandsland. Gott“ findet man Lyrik und Meditationen, um den eigenen Glauben – auch im Alter – in Bewegung zu halten.

 

Zitiert

"Warten Sie nicht, bis der Pfarrer etwas verbietet oder erlaubt, fangen Sie mit ein paar Leuten einfach an."
Peter Müllenborn, Pfarrer in derGdG Hellenthal/Schleiden


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 07.05.2015

Test